Dienstag, November 24, 2020

Bei Problemen frühzeitig Hilfe suchen

Blomberg (miw). Das SOS-Kinderdorf Lippe unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien in erschwerten Lebenslagen.

»Unser Beratungsangebot läuft auch während des aktuellen Teil-Lockdowns weiter«, macht Holger Nickel, Leiter der Beratungsstelle in Blomberg, deutlich.

Die Pandemie bringe derzeit viele Probleme, wie etwa die Zunahme von häuslicher Gewalt oder Vereinsamung, mit sich. Nickel rät Betroffenen von diesen oder anderen Problemen, sich immer frühzeitig Hilfe zu suchen. Der Bereichsleiter weiß, dass in vielen Köpfen noch das veraltete Bild bestehe, dass Krisen allein bewältigt werden müssten. »Doch sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Kompetenz«, betont Nickel.

In der Blomberger Beratungsstelle, die für Menschen aus dem gesamten lippischen Südosten zuständig ist, kümmern sich fünf Berater um die Sorgen der Klienten – zwei Psychologen und drei Sozialpädagogen. »Alle Mitarbeiter haben einen therapeutischen Hintergrund«, erklärt Psychologe Uwe Lange, der zum Beratungsteam gehört. Die Mitarbeiter begleiten die Menschen in den verschiedenen Krisensituationen und helfen ihnen, Lösungen zu finden.

Die Art der Probleme, mit denen die Menschen die Beratungsstelle aufsuchten, seien dabei ganz unterschiedlich, erzählen die Berater. »Das müssen nicht immer Katastrophen sein«, so Nickel. Paare, die sich auseinandergelebt haben. Jugendliche, die Ärger mit den Eltern oder Freunden haben. Alte Menschen, die sich einsam fühlen. »Wir haben Schweigepflicht«, betont der Bereichsleiter. Alle Probleme würden vertrauensvoll behandelt. Nur nach vorheriger Zustimmung der Klienten würden in manchen Fällen Dritte, wie beispielsweise Lehrer, mit eingebunden.

Wie viele Beratungstermine notwendig sind, sei von Fall zu Fall verschieden. In der Regel seien es vier bis sechs Sitzungen, berichtet Nickel. »Es gibt aber auch Menschen, die über Jahre zu uns kommen«, ergänzt Uwe Lange, der zudem darauf hinweist, dass das Angebot für die Klienten kostenlos ist. Für ein Beratungsgespräch ist eine vorherige Anmeldung persönlich in der Holstenhöfener Straße 4 oder unter der Rufnummer (05235) 5097930 erforderlich. »Innerhalb von zwei Wochen erhält der Klient einen Termin«, sagt Nickel

Dass es aufgrund der Corona-Pandemie mehr Beratungsgespräche gibt, können die Mitarbeiter der Blomberger Beratungsstelle aktuell nicht feststellen. Eher eine leichte Abnahme. Jedoch sind sie sich sicher, dass die familiären Probleme durch die aktuelle Situation zugenommen haben. »Derzeit sind die Menschen aber so sehr damit beschäftigt, den Corona-Alltag zu bewältigen, dass sie sich keine Zeit für ihre Probleme nehmen«, vermutet Nickel, der Betroffenen jedoch rät, sich sofort Hilfe zu holen. Und eines habe der erste Lockdown in jedem Fall gezeigt: »Soziale Kontakte sind kein entbehrlicher Luxus.«

Holger Nickel (von links), Leiter der Beratungsstelle, Psychologe Uwe Lange und Sozialpädagogin Andrea Soujon haben ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen. Foto: Michaela Weiße