Montag, Oktober 19, 2020

Briefe gegen die Einsamkeit

Blomberg (miw). Kein Besuch von der Familie, nur wenig Körperkontakt und kaum Ablenkung vom Alltag: Menschen in Alten- und Pflegeheimen haben die Corona-Krise in den vergangenen Wochen besonders hart zu spüren bekommen.

Michelle Matheus, Religionslehrerin am Hermann-Vöchting-Gymnasium (HVG) in Blomberg, hat sich daher mit ihren Schülern etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um Senioren in dieser schweren Zeit einen kleinen Lichtblick zu schenken.

Sie verfassten insgesamt 60 liebevoll gestaltete Briefe, die sie an die Bewohner der Kreissenioreneinrichtung in Blomberg verschickten. Und die haben sich über die Überraschung der Schüler riesig gefreut, weiß Einrichtungsleiterin Rita Palnau. Die Religionslehrerin rief ihre Schüler der neunten bis elften Klasse während des Distanzunterrichts zu dem Projekt »Briefe gegen die Einsamkeit« auf. »Ich hatte früher auch einen Opa im Altenheim, daher weiß ich, wie wichtig der Besuch für die Senioren ist«, erzählt Michelle Matheus. So habe sie nur erahnen können, wie allein sich nun einige Bewohner während der Corona-Krise und den damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen fühlen müssen.

»Die Briefe sollen den Bewohnern ein Lächeln ins Gesicht zaubern«, erklärt die Lehrerin ihre Intention. Im Religionsunterricht gehe es nicht immer nur um Fachwissen, sondern auch darum, Nächstenliebe zu zeigen. Und auch die Schüler seien von der Idee sofort begeistert gewesen. »Solidarität zeigen ist sehr wichtig«, findet Celina Beverungen. Die 16-Jährige hat wie viele ihre Mitschüler auch zu Briefpapier und Stift gegriffen und liebe Zeilen verfasst. Doch was schreibt man eigentlich einem Menschen, den man gar nicht kennt? »Ich habe von meinem Alltag berichtet, wie ich ihn gerade erlebe«, erzählt die 17-jährige Lynn Klingweil.

Und Lene Erbs sei es besonders wichtig gewesen, von positiven Sachen zu berichten und den Senioren Hoffnung zu schenken und Mut zuzusprechen. Zudem legte die 16-Jährige ihrem Brief noch ein Foto von sich und ihrer Familie bei. Und weil sich die Schülerin in ihrer Freizeit gerne kreativ beschäftigt, malte sie auch noch ein Bild von einem Sonnenuntergang.

»Gemeinsam hoffen wir, dass die Briefe den Bewohnern Freude bereiten und sie für einen Moment die Zeit der Isolation vergessen lassen«, so die Pädagogin. Dass die Briefe den Bewohnern Hoffnung schenken, davon ist die Hausleiterin überzeugt. Einige Senioren hätten sogar ebenfalls direkt zu Stift und Papier gegriffen, um den Schülern zu antworten, erzählt Rita Palnau. Auch Schulleiter Michael Hanke ist von dieser Aktion sehr begeistert. Er freut sich, dass sich so viele Schüler daran beteiligt haben. »Dies sind die schönen Dinge in dieser herausfordernden Zeit“« erklärt der Schulleiter.

Während des Distanzlernens haben die Lehrer und Schüler des Hermann-Vöchting-Gymnasiums verschiedene Projekte ins Leben gerufen. Neben der Aktion »Briefe gegen die Einsamkeit« gab es beispielsweise auch ein Interview mit dem australischen Rapper Man Power. Der Projektkurs Certilingua der Jahrgangsstufe 11 befragte den Musiker per Videokonferenz über sein bewegendes Leben. Außerdem stellten Schüler der achten Klasse dem Fernseharzt Doc Esser schriftlich Fragen zum Coronavirus. Diese beantwortete der Mediziner in seinem Podcast im WDR.

Der Sportkurs der Jahrgangsstufe 11 startete die Toilet-Paper-Challenge. Dazu drehte jeder Teilnehmer eine kurze Videosequenz, wie er eine Rolle Toilettenpapier wirft. Im Zusammenschnitt sieht es dann so aus, als würden sich die Schüler die Rolle gegenseitig zuwerfen. Am Ende des Videos nominieren sie einen weiteren Sportkurs für diese Aufgabe.

Aktuell hat die Fachschaft Kunst einen Malwettbewerb ins Leben gerufen, an dem sich alle Schüler des HVG beteiligen können. Im Home-Office sollen Kunstwerke zum Thema Traumwelten/Traumorte entstehen. Eine Jury entscheidet, welche der Arbeiten im nächsten HVG-Kalender abgedruckt werden. Alle Projekte sollen auch dazu dienen, um mit den Schülern in Kontakt zu bleiben, erklärt Schulleiter Michael Hanke. Weitere Infos zu den Projekten gibt es im Internet unter www.hvg-blomberg.de.

Die Schülerinnen Lynn Klingweil (17), Celina Beverungen (16) und Lene Erbs (16) (von links) haben sich an der Aktion »Briefe gegen Einsamkeit« beteiligt und an die Bewohner der Kreissenioreneinrichtung geschrieben. Lehrerin Michelle Matheus und Schulleiter Michael Hanke freuen sich, dass 60 Briefe verfasst wurden. Foto: Michaela Weiße