Samstag, Juli 4, 2020

»Korona« ist dieses Jahr besonders beliebt

Blomberg-Tintrup (miw). Voll bepackt mit drei Körben voller Erdbeeren kehrt die sechsjährige Juliana freudestrahlend mit ihren Eltern Woldemar und Viktoria Tschernezki zum Parkplatz zurück.

Die Familie aus Steinheim-Vinsebeck hat sich auf dem Obsthof Brunsiek in Tintrup mit einem kleinen Vorrat der süßen Frucht eingedeckt. Selbstgepflückt. »Das hat Spaß gemacht«, erzählt Juliana. Ebenso wie die Familie Tschernezki sind derzeit viele Menschen auf den Feldern unterwegs – die Erdbeerernte ist in vollem Gange.

Ulrich Brunsiek baut in Tintrup auf einer Fläche von sieben Hektar zwölf verschiedene Sorten Erdbeeren an. Durch die kühle Witterung Anfang Mai hatte sich der Beginn der Ernte in diesem Jahr um rund zwei Wochen verzögert, berichtet der Obstbaumeister. Doch nun herrsche Hochbetrieb auf den Feldern. Wenngleich es in diesem Jahr aufgrund der Pandemie einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten gilt.

Zur Unterstützung der Erdbeerernte kommen jedes Jahr rund 20 polnische Helfer nach Tintrup. Diesmal sind es nur zwölf. »Die Belegung der Zimmer ist klar reglementiert«, erklärt der Obstbauer. Da die Familie Brunsiek die ausländischen Erntehelfer auf dem eigenen Hof unterbringt, fiel die Anzahl in diesem Jahr geringer aus. Ausgestattet wurden sie mit Desinfektionsmittel und anderen Utensilien.

»Masken müssen beim Pflücken nicht getragen werden. Wir sind hier an der frischen Luft und die Abstände werden eingehalten«, sagt Brunsiek. Zudem ist die Einteilung der Pausen so organisiert, dass die einheimischen und die ausländischen Erntehelfer nicht aufeinandertreffen. Darüber hinaus mussten in diesem Jahr doppelt so viele Toilettenhäuschen aufgestellt werden. »All diese Maßnahmen führen zu deutlichen Mehrkosten«, erklärt Brunsiek.

Ebenso verursache die Bewässerung der Erdbeeren aufgrund des wenigen Regens höhere Ausgaben. Dies habe zur Folge, dass die Erdbeeren in diesem Jahr pro Kilo einen Euro teurer als im Vorjahr seien. »Dafür können wir sehr schmackhafte Ware anbieten«, versichert der Obstbaumeister. Zur Bewässerung setzt der Betrieb Tropfschläuche, die direkt an den Pflanzen liegen, ein. Das Trinkwasser aus Hydranten gelangt durch kleine Öffnungen im Schlauch in die Erde. »Erdbeeren bestehen zu fast 95 Prozent aus Wasser«, erklärt Brunsiek die Bedeutung der Bewässerung.

Ulrich Brunsiek ist mit dem Anbau von Erdbeeren bereits groß geworden. Vor 31 Jahren übernahm er dann den elterlichen Betrieb. Trotz der langen Zeit, habe er sich an der Erdbeere noch lange nicht satt gegessen, sagt er. »Ich esse jeden Tag bestimmt ein Pfund Erdbeeren direkt vom Busch.«

Auf den Erdbeerfeldern in Tintrup werden verschiedene Sorten angepflanzt. Die frühen Sorten werden rechtzeitig mit Vlies abgedeckt, damit sie früher reif sind. »So können wir die Erntezeit auf insgesamt acht Wochen verlängern«, erklärt Brunsiek. Besonders beliebt sei in diesem Jahr – vor allem wegen des Namens – die Sorte »Korona«. »Dabei handelt es sich um eine dunkle Erdbeersorte, die sehr schmackhaft und aromatisch ist«, so Brunsiek.

Die frischgepflückten Erdbeeren werden an regionale Händler geliefert. Zudem werden sie in den eigenen Verkaufshäuschen angeboten. Aus den Früchten, die bis zum Abend nicht verkauft wurden, produziert der Betrieb eigene Konfitüren. »Das Selbstpflücken ist in diesem Jahr besonders beliebt«, erzählt Brunsiek. Gerade in Corona-Zeiten sei dies für viele Familien ein besonderes Erlebnis. »Und alle sind gut gelaunt«, so der Eindruck von Jeanne Caminneci (Foto rechts), die den Verkaufsstand betreut.

Die Abstandsregeln hielten die Kunden vorbildlich ein. Auch für die Familie Tschernezki ist der Besuch auf den Erdbeerfeldern in Tintrup jedes Mal ein Erlebnis, wie Mutter Viktoria erzählt. Nicht nur wegen der Qualität der Erdbeeren, sondern auch aufgrund der Kinderfreundlichkeit des Betriebes kämen sie schon seit einigen Jahren her. »Kinder sind bei uns gern gesehen«, bestätigt Brunsiek.

Ulrich Brunsiek pflanzt in Tintrup auf einer Fläche von sieben Hektar Erdbeeren an. In diesem Jahr sei die Sorte »Korona« – vor allem aufgrund ihres Namens – besonders beliebt. Foto: Michaela Weiße