Mittwoch, August 12, 2020

Rollstühle gehen auf Reisen

Schieder-Schwalenberg/Blomberg. »Nicht überall auf der Welt bekommen Menschen mit Behinderung die Unterstützung, die sie brauchen«, sagt Arkadius Chrobok.

In vielen Ländern seien notwendige Hilfsmittel wie etwa Rollstühle und Gehhilfen nicht ausreichend oder gar nicht vorhanden. Aus diesem Grund gründete der Schiederaner gemeinsam mit weiteren Mitstreitern, die größtenteils in Südlippe wohnen, den gemeinnützigen Verein »Hand in Handicap International Care«.

Die Mitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, Menschen aus aller Welt mit Hilfsmitteln zu versorgen, um ihnen eine Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Das erste Projekt ist für Afghanistan geplant. Vorstandsmitglied Bashir Amarkhail weiß um die Situation in seinem Heimatland. »Dort ist der Bedarf sehr groß«, stellt der Schlänger fest.

Einen Container voll mit Rollstühlen, Pflegebetten, Toilettenstühlen und weiteren Hilfsmitteln hat der Verein bereits gesammelt. »Dabei handelt es sich um gebrauchte Geräte, die hier sonst verschrottet würden«, macht Naim Barakzai, Mitglied des Vorstandes, deutlich. Derzeit werden die Sachen übergangsweise in Räumen der katholischen Kirche in Lage gelagert.

»Wir sind sehr dankbar, dass uns dieser Platz zur Verfügung gestellt wurde«, betont Arkadius Chrobok. Jedoch werden die Räume bald wieder anderweitig gebraucht, so dass der Verein dringend einen neuen Lagerraum benötigt. Daher würde sich der Vorstand über die Mithilfe aus der Bevölkerung freuen und fragt: »Wer kann einen Lagerraum kostenlos im Kreis Lippe zur Verfügung stellen?«. Rund 100 bis 150 Quadratmeter Stellfläche werden für die Unterbringung der Sachen gebraucht. »Das kann auch auf zwei Lagerräume aufgeteilt werden«, erklärt er.

Wann genau die Hilfsmittel nach Afghanistan verschickt werden, steht derzeit noch nicht fest. »Wir haben bereits mit Mitarbeitern der afghanischen Regierung mündlichen und schriftlichen Kontakt aufgenommen«, sagt Arkadius Chrobok. Zudem beschäftigten sie sich derzeit mit der Beantragung eines Transportkostenzuschusses aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Partner vor Ort, die die Geräte dann in Empfang nehmen, seien bereits gefunden.

Nach dieser Aktion sollen weitere folgen. Auch in Indien oder dem Kongo sei der Bedarf an Hilfsmitteln sehr groß, so Naim Barakzai. Darüber hinaus will der Verein in Zukunft weitere Projekte auf die Beine stellen. Damit wollen die Mitglieder erreichen, dass Menschen mit Behinderung mehr Lebensqualität erhalten. Aber auch interkulturelle Projekte mit Jugendlichen kann sich der Verein für die Zukunft vorstellen.

»Man sollte trotz aller Unterschiede wie nationale Herkunft oder Religionszugehörigkeit ein Gefühl der Zusammengehörigkeit schaffen und erfahrbar machen, dass man gemeinsam stark ist«, erklärt Arkadius Chrobok die Intention. Der Verein sucht noch weitere Mitglieder, die sich einbringen möchten. Interessierte können sich per E-Mail an hih-international-care@gmx.de wenden. Im Internet ist der Verein unter www.handinhandicap.wordpress.com zu finden.

Bashir Amarkhail (von links), Naim Barakzai und Arkadius Chrobok suchen weitere Mitglieder für ihren Verein »Hand in Handicap International Care«. Zu den Gründungsmitgliedern gehören außerdem Benilde Funk-Ngyedi und Laura Chrobok. Foto: Michaela Weiße