Mittwoch, Dezember 7, 2022

Besuch am HVG: Dr. Melderis sprach über Molekularbiologie

Blomberg (mw). Der Biologie-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 12 hat kürzlich eine Unterrichtsstunde fernab des Lehrplanes erlebt.

Der Universalgelehrte Dr. Hans-Jürgen Melderis war zu Gast und brachte den Schülern sein Spezialgebiet, die Molekularbiologie, näher. Und auch für den 76-Jährigen war der Besuch des Hermann-Vöchting-Gymnasiums ein ganz besonderes Erlebnis. Der Wahl-Hamburger kehrte nämlich an den Ort zurück, wo er einst selbst die Schulbank drückte und 1966 sein Abitur machte.

Die aktuellen Geschehnisse in der Ukraine erinnerten Melderis an seine allererste Publikation, die er im Jahr 1963 als Oberstufenschüler verfasste. Er schrieb damals die Kurzgeschichte »Rechenschaft und Ausblick« für die Schülerzeitung »Barometer«.

Kurzerhand nahm er Kontakt mit seiner ehemaligen Schule auf, die zu seiner Zeit noch Städtisches Gymnasium Blomberg hieß, und erlaubte nicht nur die erneute Veröffentlichung seiner Kurzgeschichte auf der Internetseite der Schule, sondern vereinbarte auch ein Treffen in seiner früheren Penne.

»Darüber haben wir uns sehr gefreut«, sagt Schulleiter Michael Hanke. Und auch die Schüler zeigten sich beeindruckt vom Lebenslauf des gebürtigen Blombergers. Dass Melderis eine beeindruckende Karriere machte, überhaupt das Gymnasium besuchen durfte, ist schon deswegen besonders, weil er aus einfachen Verhältnissen stammt.

»Mein Vater war Kohlenträger und meine Mutter Magd auf einem Bauernhof«, erzählt er. Materiell sei er seinen Mitschülern unterlegen gewesen, nicht aber intellektuell. Er habe sehr viel gelesen und Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben. Zu seinen Deutschlehrern habe er ein gutes Verhältnis gehabt, einen von ihnen habe er sogar später noch zu seinem 50. Geburtstag eingeladen, erzählt er.

Die Rückkehr an seine Schule wecke viele Erinnerungen, wenngleich sich viel verändert habe – nicht nur baulich, es gehe auch lockerer zu als damals. Das gefällt dem Arzt für Innere Medizin, der noch immer in seiner Praxis in Hamburg Patienten behandelt. An das Lehrerzimmer seiner Schule könne er sich noch sehr gut erinnern: »Das durften wir Schüler nie betreten.« Der Raum sei immer sehr verraucht gewesen.

»Als Pazifist wollte ich nicht zur Bundeswehr«, führt Melderis seinen Werdegang weiter aus. Um den Wehrdienst zu umgehen, entschied er sich für das Medizinstudium in Göttingen und gelangte schließlich zur Molekularbiologie.

»Junger Blomberger gehört zum preisgekrönten Team des Max-Planck-Institutes«, titelte die Lippische Landes-Zeitung 1972 anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Wissenschaftspreis der »Kind-Philipp-Stiftung für Leukämieforschung«.

Er schrieb populärwissenschaftliche Bücher über Astrophysik, Molekularbiologie, Musiktheorie und das Geheimnis der Gene. Sein Schema der embryonalen Blutbildung bei Säugetieren wurde in »Nature« veröffentlicht und steht in den Lehrbüchern der Genetik.

Eine ganz besondere Begegnung hatte Melderis 1991 bei den Bayreuthern Festspielen, wie er den Blomberger Schülern berichtete und ihnen ein Foto präsentierte, das ihn mit dem bekannten britischen Astrophysiker Stephen Hawking (2018 verstorben) zeigt.

»Eigentlich sollte ich nur dolmetschen«, erzählt Melderis. Schließlich habe er mit ihm aber über die schwarzen Löcher diskutiert. »Wir könnten Ihnen noch lange zuhören, Sie haben so viel Interessantes zu erzählen«, sagte der Schulleiter, als der Gong das Ende der Unterrichtsstunde verkündete.

Dr. Hans-Jürgen Melderis hat dem Biologie-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 12 besucht und über sein Fachgebiet, die Molekularbiologie, referiert. Foto: Michaela Weiße/LZ