Mittwoch, Dezember 7, 2022

DJ Rainer »Findus« Koch macht Schluss

Blomberg. Nach 55 Jahren und unzähligen Auftritten verlässt mit Rainer »Findus« Koch einer der dienstältesten lippischen DJs die Bühne.

Viermal wird der Chronist und Platten-Sammler noch live zu erleben sein. Seine »Abschieds-Tour« startet am heutigen Donnerstag um 18 Uhr im Integrationszentrum am Paradies.

Wie der 74-jährige erzählt, sollen unvergessene »One-Hit-Wonder« der 50er- bis 70er-Jahre als sogenannte Eintagsfliegen wieder zum Leben erweckt werden. Der Blomberger wird die Songs wie bei allen seiner Auftritte auch dieses Mal von Vinyl-Schallplatten abspielen. Da bleibt sich der Musikexperte weiter treu. »Von den ganzen modernen Sachen halte ich nichts. Bei mir darf es gerne mal knacken«, sagt der gelernte Einzelhandels-Kaufmann.

Seine Leidenschaft zur Musik entdeckte der 1948 in Detmold geborene Liebhaber von Rock’n’Roll und Blues bereits in jungen Jahren. Im elterlichen Haus hörte der Jugendliche im WDR-Radio die Hits der damaligen Zeit. »Buona sera« von Louis Prima hatte es ihm Ende der 50er-Jahre besonders angetan. Als ihm dann auch noch Onkel Dieter aus Essen 1960 zirka 40 Platten schenkte, die er mit seinem Bruder Wolfgang aufteilte, war die Leidenschaft zur Musik vollends entfacht.

Insbesondere Elvis Presley hatte es Rainer Koch angetan. Seine ersten eigenen beiden Platten kaufte er sich 1961 mit der finanziellen Unterstützung seiner Eltern. Als Geschenk für die bestandene Aufnahmeprüfung an der Handelsschule erhielt »Findus« acht Mark. Damit konnte er sich zwei Singles kaufen. »My bonnie« von Tony Sheridan und »Johnny will« von Pat Boone sollten es sein.

Nach und nach wuchs die Platten-Sammlung an. Heute ist der Discjockey im Besitz von insgesamt 12.000 Scheiben – davon jeweils 6.000 Singles und LPs. Diese stehen nach Gefühl und Musikstil im heimischen Wohnzimmer. Je nach Stimmung legt sich der Mitsiebziger abends gerne eine Platte auf und sitzt dabei am liebsten mit einem Glas Weizenbier und seiner Seifenblasen-Maschine auf der Bank vor seinem Gartenhaus.

Seinen Durchbruch als DJ feierte Koch im Sommer 1967, als er im damaligen »Big Ben«, einem kleinen Club an der Blomberger Heutorstraße, auflegen durfte. Sein Vorbild »Hans von Bredow« alias Hansi Winkler hatte mittlerweile ein Engagement in Schieder angenommen, so dass dessen Platz frei wurde.

In einem kleinen Wettbewerb mit zwei weiteren Kandidaten setzte sich »Findus« – seinen Spitznamen bekam er übrigens zu Azubi-Zeiten von einer befreundeten Barntruper Clique aufgrund eines Aufklebers an seinem Motorrad »Probieren Sie Findus-Erbsen« – durch und sorgte Fortan für die Unterhaltung seiner Gäste. An drei Tagen in der Woche reichten ihm zwei Plattenspieler, ein Mischpult und ein Mikrofon aus, um die Tanzfläche zu füllen.

Weitere Stationen des Musikliebhabers waren in den folgenden Jahren das »Gas Light« in Schieder und zu Bundeswehr-Zeiten das »Yellow Submarine« in Fassberg in der Lüneburger Heide. Während eines Engagements im »2001-Club« in Bad Pyrmont lernte er im Sommer 1972 seine Frau Ulrike kennen, die er sechs Jahre später heiratete und mit der er die beiden Kinder Corinna und Laura hat.

In der Nelkenstadt machte sich Koch zusammen mit seinem Buder Wolfgang Mitte der 70er-Jahre einen Namen. In der Kult-Disko »Life« legten die beiden im Wechsel täglich (!) auf. In den 80er-Jahren folgte aufgrund der Geburt seiner beiden Töchter eine »Baby-Pause«, ehe die große Radio-Zeit folgte.

Angefangen hatte diese bereits im Herbst 1979, nachdem er durch eine noch bestehende Camping-Bekanntschaft aus Ulm eine Einladung zum Süddeutschen-Rundfunk in Stuttgart bekam. Dieser produzierte zwei Folgen seiner »Swing-Souvenirs«, zu denen die Hörer ihre eigenen Platten mitbringen und ansagen durften. Der Einstieg war geschafft, so dass es zwischen 1992 und 2008 für stolze 16 Jahre mit Bürgerfunk-Sendungen auf einem festen Sendeplatz bei Radio Lippe weiterging.

Zwischendurch begleitete der umtriebige Chronist auch noch die Revival-Tour von »Johnny Cliff & his Conquerors«, legte bei der ersten »Life-Revival-Party« 2004 zusammen mit Bruder Wolfgang auf (dabei traf er auch deutschlands Rock’n’Roll-König Ted Herold) und führte durch verschiedene andere Veranstaltungsformate.

»Ich bin dankbar für ein tolles und treues Publikum. Jeder Abend hat mir viel Freude bereitet. In den vielen Jahren gab es nicht ein negatives Erlebnis. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen möchte«, erläutert Rainer Koch, warum nach mehr als einem halben Jahrhundert Schluss sein soll.

Wie immer, wird sich der DJ bei seinen letzten Auftritten wieder akribisch vorbereiten, um seinem Publikum unvergessliche Stunden zu bereiten. Sicherlich wird er dabei auch Platten seiner Lieblinkskünstler Elvis Presley, B.B. King, Muddy Waters oder Elmore James zu Gehör bringen. Dabei darf eines seiner Markenzeichen, die Seifenblasen, natürlich nicht fehlen.

Nach dem heutigen Auftritt im Integrationszentrum warten an gleicher Stelle zwei weitere Termine mit ihm. Am Donnerstag, 27. Oktober heißt es »Aus Lehrern werden Schüler«, während am Donnerstag, 24. November, 40 ausgewählte Singles, die ihn während seiner Karriere begleitet haben, präsentiert werden.

Eine große, öffentliche Abschieds-Veranstaltung ist als »6. Vinyl-Treff« am Samstag, 15. Oktober, um 20 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) in »Katjas Spätschicht« an der Neuen Torstraße 51 geplant.

DJ und Plattensammler Rainer Koch wird sich zur Ruhe setzen. Foto: brink-medien