Donnerstag, Juni 13, 2024

Sozialkaufhaus: Sorgen nach Wegfall von Förder-Maßnahme

Blomberg. So kurz vor Weihnachten hat das Sozialkaufhaus »Tüddelkram & Gedöns« das Sortiment angepasst.

Weihnachtskugeln, Kerzenhalter, Engel aus Keramik, Fensterdeko oder Lichtobjekte – die Räumlichkeiten am Paradies erstrahlen laut einer Pressemdlung in bunten Farben. Wer noch auf der Suche nach Dekoartikeln ist, werde garantiert fündig.

Für jeden Geschmack sei etwas dabei. Zeitgleich leiste man einen Beitrag zum Umweltschutz, indem Neukäufe vermieden. Darüber hinaus erhalten Kunden auch weiterhin alles für den täglichen Bedarf – Geschirr, Kleidung, Spielwaren, Haushaltsartikel, Filme oder Musik.

Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, dass das Sozialkaufhaus gut ankommt. Alle paar Minuten kommen neue Kunden rein, die Mitarbeitenden räumen im Minutentakt neue Ware in die Regale.

Immer mehr Menschen sind auf die günstigen Artikel angewiesen, weil das Geld knapp ist und der tägliche Bedarf immer teurer wird. Geöffnet hat der Laden von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr.

Dabei ging es aber nicht nur um den Verkauf günstiger Waren. Getragen vom Kreis Lippe sowie der Stadt Blomberg konnte mit der euwatec gGmbH als Träger einiges darüber hinaus ermöglicht werden.

Wer hier beschäftigt ist, hat gewöhnlich eine lange Phase der Arbeitslosigkeit hinter sich. Das integrierte »AktivCenter« ermöglichte den (Wieder)Einstieg in den Arbeitsmarkt. Erwachsene arbeitssuchende werden dabei individuell an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt herangeführt.

Mit der ausgerufenen Haushaltssperre des Kreises Lippe und dem zugehörigen Jobcenter ist das bisherige »AktivCenter«-Projekt ausgelaufen und soll vorerst nicht verlängert werden. Damit würde ein wesentlicher Teil in der sozialen Infrastruktur vor Ort künftig wohl wegfallen.

»Dieses Maßnahmenbündel war hier im Lippischen Südosten bislang einzigartig. Es stand für einen verlässlichen Beitrag zur Sozialpolitik in Stadt und Kreis. Die alten Garagen konnten in funktionstüchtige Werkstätten umgebaut werden, diese sind nun ungenutzt. Wir haben einiges dafür getan, die Räumlichkeiten des Sozialkaufhauses umzugestalten, um möglichst viele Maßnahmen an einem Ort zu bündeln«, sagt Bürgermeister Christoph Dolle.

Umso mehr erschüttert es ihn, dass dieser Mehrwert aktuell keine Berücksichtigung mehr finden kann. Vorerst bliebe nur die Hoffnung, dass man im Jobcenter und an verantwortlicher Stelle beim Kreis Lippe bereit sei, in einen Dialog über mögliche Alternativangebote und weitere arbeitsmarktpolitische Maßnahmen vor Ort zu kommen.

Hermann Ritter, der nur noch bis Ende des Jahres als Geschäftsführer der euwatec tätig ist, ergänzt: »Ohne die Maßnahme fehlt uns nicht nur die Möglichkeit, weitere Mitarbeitende zu werben. Ohne in sich greifende Maßnahmen und Programme vor Ort wäre letztlich auch der Arbeitsplatz des vorhandenen Personals gefährdet.«

Gerade bei Krankheitswellen oder Urlaubszeiten sei es aktuell schon schwierig, die Arbeit zu verteilen. Gern würde man zudem die Öffnungszeiten erweitern, ohne weiteres Personal sei dies leider nicht umsetzbar.

Christoph Dolle, Hermann Ritter und Rüdiger Winter (von links) verschafften sich einen Überblick im Sozialkaufhaus. Foto: Stadt Blomberg