Mittwoch, Dezember 7, 2022

»Denn queeres Leben darf gelebt werden«

Blomberg. Mit einem eigenen Ladenlokal haben sich Andrea Weihs und ihre Partnerin Sabine Lange einen Herzenswunsch erfüllt.

An der Heutorstraße 19 haben die beiden eine Kombination aus Kunstatelier und psychologischer Beratungspraxis eröffnet.

In den Räumlichkeiten finden Kunden eine Vielfalt an Kunst – von Postkarten über gerahmte Drucke bis hin zu bemaltem Porzellan – alles gestaltet von den beiden Inhaberinnen. Ebenso finden sich hier eigene Fachbücher wieder.

Gleichzeitig soll der Standort an der Heutorstraße ein Anlaufpunkt für Menschen sein, die Unterstützung suchen. Als geprüfte psychologische Beraterin nimmt sich Andrea Weihs diesen an. Spezialisiert ist sie auf Angst, Panik und traumatische Erlebnisse.

Doch dem Paar liegt noch ein weiteres Thema sehr am Herzen. Sie möchten Menschen, die der queeren Gemeinschaft angehören und Unterstützung im ländlichen Raum suchen, die Möglichkeit geben, sich kennenzulernen und ihre Erfahrungen auszutauschen. Daher haben sie eine anonyme Selbsthilfegruppe mit dem Namen »Transident SHG Lippe Queer« für Menschen mit pränataler Transidentität ins Leben gerufen.

»Wir haben schon wenige Tage nach Eröffnung der Gruppe zahlreiche Anfragen gehabt, sodass wir wussten, damit einen wirklich wichtigen Schritt zu gehen«, erklärt Sabine Lange. In Ostwestfalen-Lippe sehen die beiden die Notwendigkeit für einen Austausch unter Betroffenen. Das werde ihnen auch zurückgemeldet.

»Viele Menschen haben ein Problem damit, sich zu outen. Zum Teil ziehen sie vom Land in die Stadt, um etwa mit ihrem Partner zusammenzuleben, weil die Angst vor Ablehnung so groß ist«, erklärt Lange weiter, die sich selbst Anfang des Jahres als transident geoutet hat. »Die Menschen in Blomberg sind mir sehr offen und freundlich begegnet«, erzählt sie aus ihrer Erfahrung. Auch ihre Partnerin habe positive Resonanz zu ihrem Outing, sich zu Frauen hingezogen zu fühlen, erhalten.

Derzeitig finden Einzelgespräche mit Interessierten für die Selbsthilfegruppe statt. »Die Gruppe ist ein geschützter Raum. Daher ist es wichtig, jeden Einzelnen erst einmal kennenzulernen«, so Lange. Vorgesehen sei aber, monatliche Treffen zu arrangieren, bei denen die Mitglieder zusammenkommen. »Wir möchten Menschen erreichen, ihnen Schutz bieten, aber auch kurzfristig persönlich einzeln beraten«, erklärt das Paar.

Die Selbsthilfegruppe sei ein wesentlicher Teil des Vereins »LippeQueer«, den Sabine Lange und Andrea Weihs gegründet haben, um Menschen zu unterstützen und als wichtige Fachkräfte in gewohnter Umgebung zu halten. Hier sollen sich nicht Heteronormative vernetzen können und ein Austausch zwischen ihnen gefördert werden.

Mit ihrem Konzept des Kunstateliers und der angeschlossenen psychologischen Beratung bieten Andrea Weihs und ihre Lebensgefährtin Sabine Lange (rechts) Menschen einen Ort der Unterstützung an. Foto: brink-medien