Montag, Mai 16, 2022

Blomberg im Fokus historischer Forschung

Blomberg (lz). Eine historische Münzstätte, die Burg und der historische Wallfahrtsort mit seiner Klostergründung heben die historische Bedeutung der Kleinstadt Blomberg hervor.

Seit Januar 2014 wird vom Institut für Vergleichende Städtegeschichte zusammen mit der Historischen Kommission für Westfalen unter dem Titel »Historischer Atlas Westfälischer Städte« eine neue Publikationsreihe herausgegeben. Darin wird auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse Regionalgeschichte erlebbar.

Ortsentwicklungen werden durch Karten, Schriftquellen, Ansichten, Fotografien und andere historische Dokumente vergleichbar dargestellt. Die Stadt Blomberg ist nun die erste lippische Kommune, die in dieser Reihe als Band 15 druckfrisch erschienen ist.

In zehnjähriger ehrenamtlicher Arbeit ist es Prof. Dr. Ulrich Meier und Dr. Heinrich Stiewe gelungen, den Atlas zu erstellen. Das Textheft mit 66 Seiten, sieben Karten und 71 Abbildungen ist reichlich illustriert und doppelt so groß wie das der größeren Stadt Soest. Acht große Tafeln wie die Katasterkarte von 1880, topographische und historische Stadtkarten sowie eine Übersicht über das Gewerbe und Baualter der Gebäude liegen dem Band bei.

Bürgermeister Christoph Dolle lobte das große Engagement der Autoren und zeigte sich erfreut, dass Blomberg nun im Reigen dieser wissenschaftlichen Publikation vertreten ist. Viele Bürger der Nelkenstadt hätten geholfen, die historischen Hohlwege und Landwehren zu erforschen.

Dr. Heinrich Stiewe, der 1993 seine Doktorarbeit über Blomberg verfasste, hat die Geschichte vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Neuzeit dargestellt, während sich Prof. Dr. Ulrich Meier im ersten Teil dem Mittelalter gewidmet hat. Prof. Dr. Meier sagte: »Wir sind stolz, dass wir als Kleinstadt eine solche Mappe erhalten haben.« Er dankte den mitwirkenden Kartographen und Bildbearbeitern Thomas Kaling und Tobias Kniep. »Blomberg wurde bisher von der historischen Forschung vernachlässigt, obwohl es im Mittelalter eine ganz bedeutende Kleinstadt war. Eine eigene Münzstätte um 1250, die Burg und der berühmte Wallfahrtsort mit der Klostergründung im 15. Jahrhundert belegen die wichtige historische Stellung.«

Der Atlas liege nun in allen Universitäten aus und wecke hoffentlich das Interesse der Historiker. »Blomberg hatte im Mittelalter nur 1.500 Einwohner, aber kaum eine Kleinstadt habe ein so gut erhaltenes Archiv wie Blomberg«, lobte Dr. Ulrich Meier den Stadtarchivar Dieter Zoremba.

Dr. Stiewe hat sich mit der historischen Bausubstanz sowie Gewerbe- und Sozialstruktur beschäftigt. Er zerstörte die romantische Illusion von einer Ackerbürgerstadt, da 95 Prozent der Bevölkerung ohne Bodenbesitz waren. Handwerker wie Schumacher und Weber bildeten das dominierende Gewerbe im 18. Jahrhundert. In der Neuzeit kam die Holzindustrie hinzu. Es gab sogar eine Eisenbahnlinie von Blomberg nach Schieder um 1897 und eine Straßenbahn fuhr zwischen 1926 und 36 über Horn nach Paderborn.

Prof. Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Vorsitzende der Historischen Kommission Westfalen, begrüßte die Gäste, die zur Buchvorstellung in die »Alte Meierei« gekommen waren. Die Kommission leiste wichtige Grundlagenarbeit für die Forschung und mache Quellen und Texte für die Öffentlichkeit zugänglich. Zusammen mit dem Vorgänger, dem Westfälischen Städteatlas, seien seit 1975 über 90 Städte erforscht worden und damit die Hälfte aller westfälischen Städte. Der Historische Atlas westfälischer Städte – Blomberg, Band 15 kostet 39,90 Euro und ist im Ardey-Verlag Münster erschienen.

Tobias Kniep, Prof. Dr. Ulrich Meier, Thomas Kaling, Bürgermeister Christoph Dolle, Dr. Heinrich Stiewe und Prof. Dr. Mechthild Black-Veldtrup (von links) präsentierten den neuen, 15. Band des Historischen Atlas westfälischer Städte über Blomberg. Foto: Thomas Krügler